Hinter den Feldern

Im Sommer 1986 veränderte sich alles. Es geschah ganz unauffällig. Wie Bäume, wenn sie wachsen. Das merkt auch keiner. Und plötzlich sind sie groß.

Es war der erste Tag der Sommerferien und ich war zehn Jahre alt. Ich ging in den Garten – und hatte keine Ahnung, was alles passieren würde. Ich hatte Asthma und eine besorgte Mutter. Sie kannte mehr Verbote als die Schulordnung: Fahrrad fahren, schwimmen, Fußball spielen – nichts davon erlaubte sie mir. Die Kinder in meiner Klasse lachten mich deswegen aus und spielten mir Streiche, allen voran Kalle, dieser schweinegesichtige Blödmann. Ich wusste nicht, wie ich mich gegen ihn und die anderen wehren sollte. Ich wagte es nicht, mich zu raufen, denn Raufen und Asthma vertragen sich nicht. Außerdem hätte mir das nur blaue Flecken und reichlich Ärger mit Ma eingebracht.

Überhaupt wusste ich nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Mein Asthma schien mir bei allem, was ich machen wollte, im Weg zu stehen. Und Wege gab es in unserem Dorf ohnehin nicht sehr viele.

Zum Glück wohnten wir zusammen mit Großvater. Der war mein bester Freund. Er kannte die tollsten Geschichten, zeigte mir, wie man schnitzt, brachte mir alles über Tiere und Pflanzen bei, was er wusste – und schaffte es immer, mich zum Lachen zu bringen.

Als er mir von einer Blume mit heilenden Kräften erzählte, wurde ich ganz kribbelig. Hinter unserem Haus lagen Felder. Und dahinter ein Wald, der bis zum Nordpol oder so reichte. Ich war mir sicher, die Blume irgendwo dort zu finden. Sie würde mich gesund machen, dachte ich, und alles würde besser werden. Also machte ich mich heimlich auf die Suche nach ihr. Ich wollte alle überraschen: Ma, Pa, Großvater – und Schweinegesicht Kalle. Sie würden staunen und stolz auf mich sein und mich nicht länger bevormunden oder auslachen.

Aber ich fand keine Zauberblume. Ich fand etwas völlig anderes …

Was genau ich entdeckte und was alles in jenem unvergesslichen Sommer passierte, erfährst Du in „Hinter den Feldern“, meiner Geschichte vom Sommer 1986. Dem Sommer, der mein Leben veränderte.